Es war ein Tag vor Heiligabend. Bald würde Weihnachten sein, doch an Bord der Eternity fühlte es sich nicht danach an. Die Niederlage in der QI lag gerade einmal einen Tag zurück, und sie hing noch immer wie ein Schatten über den Decks. Kein Drama mehr, aber auch kein echter Glanz. E
Ein paar Soldaten saßen in der Taverne, gemütlich, ruhig, mit halb gefüllten Krügen und noch halb leeren Gedanken. Man redete über Belangloses, lachte vorsichtig, als wolle man die Stimmung nicht erschrecken.
Dann flog die Tür auf.
Truphoss stürmte herein, außer Atem, mit einem Blick, den man von ihm nicht kannte. Kein Grinsen. Kein Spruch. Nur Hektik.
„Ich brauche sofort zwei Freiwillige“, rief er. „Und keine Fragen.“
Arka meldete sich reflexartig. Nobody gleich hinterher. In dem Moment, in dem sie aufstanden, wussten beide: Das war eine schlechte Idee. Aber es war zu spät.
Keine zwei Minuten später standen sie im Umkleideraum. Vor ihnen lagen drei Kostüme. Ein Weihnachtsmann. Zwei Wichtel.
Arka starrte die Mütze an. „Ich hasse Weihnachten.“
„Ich hasse Truphoss“, murmelte Nobody.
„Hört zu“, sagte Truphoss und klopfte sich den falschen Bart zurecht. „Ich kenne da jemanden, der kennt jemanden. Und dieser jemand sollte heute Abend als Weihnachtsmann mit zwei Wichteln bei der Weihnachtsfeier der drei Fragezeichen auftreten.“
Kurze Pause.
„War“, ergänzte er. „Jetzt sind wir dran.“
Das Space-Taxi wartete bereits. Keine weiteren Erklärungen. Kein Zurück.
Bei der Ankunft wurden sie sofort von zwei Wachen aufgehalten. „Geschlossene Gesellschaft. Keiner rein.“
Truphoss trat einen Schritt vor, die Hände in die Hüften gestemmt. „Spinnst du? Siehst du nicht, wer wir sind?“
Er beugte sich näher. „Wir wurden persönlich von Isilara bestellt. Wenn du willst, fahren wir sofort wieder. Aber das Honorar behalte ich.“
Die Wachen wechselten einen Blick. Zögerten. Dann öffnete sich das Tor.
Drinnen erklang Musik. Lichter. Gelächter.
Und Truphy´s Plan begann.
Was dann passierte, lest ihr in Teil 2 von Kapitel 88.
Alle drei standen auf der Bühne. Truphoss als Weihnachtsmann, Arka und Nobody als Wichtel. Schon der erste Blick sorgte für Irritation: Die Wichtel waren größer als der Weihnachtsmann, der Bart schief, der Mantel roch verdächtig nach einer langen Nacht in der Taverne. A
„Hooo, hooo, hooo… von draußen, von weeeiiiten komm ich her…“, dröhnte Truphoss mit einer Stimme, die eher nach Zapfhahn als nach Nordpol klang. Arka und Nobody verteilten Schokonikoläuse, während sie sich ernsthaft konzentrieren mussten, nicht selbst loszulachen.
Die Show wurde immer absurder. Truphoss stolperte absichtlich über den eigenen Sack, fing sich wieder, verbeugte sich zu tief und rammte beinahe einen der Gäste. Die Wichtel führten „magische Kunststücke“ vor, bei denen Süßigkeiten verschwanden – meist direkt in ihren eigenen Taschen. Der Saal bebte vor Gelächter, selbst die härtesten Krieger der drei Fragezeichen lagen lachend auf dem Boden.
Als der Auftritt beendet war, schlichen die drei durch die Gänge. Arka verschränkte die Arme. „Sag bitte, dass das nicht alles war.“
Truphoss grinste nur. „Entspannt euch. Jetzt kommt der leise Teil.“
Sie bemerkten schnell eine Eigenart der Fragezeichen:
Vor fast jeder Tür standen Stiefel, ordentlich ausgerichtet, geschniegelt, geschniegelt wie ihre Besitzer.
„Traditionen sind etwas Wunderschönes“, murmelte Truphoss ehrfürchtig, während er sich umsah.
Dann blieb er stehen. Vor einer besonders prunkvollen Tür, davor ein Paar Stiefel, schwer, edel, mit Gravur.
Logain.
Truphoss kniete sich hin, zog den Bart zurecht und flüsterte: „Ho ho ho… Sonderlieferung.“ Mit einer Ernsthaftigkeit, die niemand von ihm kannte, erledigte er sein Werk, stellte alles sauber zurück und nickte zufrieden.
Doch damit nicht genug. Auf dem Rückweg tauschten sie noch heimlich Namensschilder an Türen, stellten Stiefel um und vertauschten links und rechts, bis selbst ein Navigator den Überblick verloren hätte. „Weihnachtliche Verwirrung“, erklärte Truphoss feierlich.
Als sie wieder im Schatten verschwanden, hörten sie hinter sich fröhliche Stimmen, nichtsahnend. Arka schüttelte den Kopf. „Das hier wird eskalieren.“
Truphoss grinste. „Aber erst morgen.“
Noch waren sie bei den Fragezeichen. Und die Nacht war lange nicht vorbei.
Wir können noch nicht gehen“, flüsterte Truphoss mit diesem Tonfall, der immer bedeutete, dass etwas sehr Dummes gleich sehr konsequent zu Ende gedacht wurde. Er zog ein kleines Fläschchen hervor und hielt es hoch wie einen heiligen Kelch. „Sofort wirkendes Abführmittel.“ W
Nobody verzog keine Miene. „Da fallen mir spontan mehrere Namen ein.“
Arka grinste breit. „Ich auch. Mehr als mir lieb ist.“
Sie arbeiteten effizient. Dido. Nödu. Twin. Avi. Einer nach dem anderen bekam ein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk in die sorgfältig vor die Türen gestellten Stiefel. Truphoss nickte zufrieden. „Rache ist süß“, murmelte er, „vor allem nach einer QI-Meisterschaft, die wir fünf Runden lang geführt haben, nur um sie am Ende aus der Hand zu geben.“ Dann klatschte er in die Hände. „So. Feierabend. Zurück zur Eternity.“
Es war früher Morgen, als sie wieder in der Taverne saßen. Die Augen rot, die Stimmen wach, das Adrenalin der Nacht noch immer in den Adern. Keiner sagte zuerst etwas. Dann lehnte sich Truphoss zurück, völlig entspannt, und meinte beiläufig: „Wisst ihr eigentlich, wer die Schokonikoläuse gemacht hat?“
Kurze Pause.
„Stony. Mit extra hoher Cannabis-Zugabe. Ich glaube, die Fragezeichen erleben gerade den friedlichsten Weihnachtsmorgen ihres Lebens.“
In genau diesem Moment ging die Tür auf. Stony trat herein, gähnte und grinste. „Na Jungs, noch wach? Lust auf Frühstück? Ich hab Brownies gebacken.“
Drei Köpfe drehten sich gleichzeitig zu ihm. „Nein“, sagten sie wie aus einem Mund.
„Wir bleiben beim Bier.“
Kurz darauf kam Marek dazu, blieb stehen, musterte die Szene – leere Krüge, zerknitterte Kleidung, drei Gesichter, die aussahen, als hätten sie zu viel erlebt und zu wenig geschlafen. „Na“, fragte er ruhig, „eine ruhige Nacht gehabt?“
Die vier sahen sich an. Ein kurzer Blick, ein stilles Einverständnis. Dann antworteten sie vollkommen synchron, mit der Unschuld eines Kindes am Heiligabendmorgen:
„Ja.“
Kurze Pause.
„Wir haben uns nur gelangweilt.“